„Alles fließt“ wusste bereits der griechische Philosoph Heraklit. Mit anderen Worten: „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.“ Leben bedeutet stetige Veränderung, nichts bleibt, wie es ist, auch, wenn wir das manchmal gerne hätten. Wir möchten Augenblicke festhalten, Gefühle für immer garantiert haben, schöne Zeiten unendlich ausdehnen. Aber Veränderung ist der Normalzustand – und zudem unausweichlich. Die Gegenwart gibt es eigentlich gar nicht, denn indem ich das denke, liegt der Gedanke schon wieder in der Vergangenheit. In Systemen und Unternehmen ist ein sich nicht verändernder Status erklärungsbedürftig. Denn für den Erhalt des Status quo muss enorm viel Energie aufgewandt werden, während Veränderung keine weitere Energiezufuhr benötigt, sondern ein lenkendes Führen. „Wenn sich etwas entgegen dem erklärten Ziel nicht verändert, steht hier jemand auf der Bremse.“, sagt auch Nikolaus Birkl in seinen Vorträgen. „Und da sollte sich die Führungskraft fragen, wer oder was hier Energie einsetzt und warum, um den Ist-Zustand zu erhalten? Die Kernkompetenz für einen sicheren Umgang mit der Unsicherheit der ständigen Veränderung ist neugierig heitere Gelassenheit.“

Das Wort „Agil“ kommt aus dem Lateinischen (lat. agilis) und bedeutet „flink und beweglich“. Unter agiler Organisation versteht man die Fähigkeit des Managements, nicht nur flexibel – also reaktiv –, sondern auch proaktiv und initiativ zu handeln, um sich immer schneller verändernden Märkten frühzeitig, vorausschauend anzupassen und dabei einen Schritt voraus zu sein. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet agiles Arbeiten, selbständiger, kundenorientierter und über Abteilungsgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten, flache Hierarchien und mehr Verantwortung. Entscheidungen treffen nicht nur die Vorgesetzten, sondern auch die Teams. Das klingt erstmal gut. Aber für diese Art der Arbeit braucht es eine andere Geisteshaltung, eine Unternehmenskultur, die oft so nicht geübt ist. Das Aufbrechen teils bewährter, teils nicht mehr zeitgemäßer Strukturen ist kein leichter Prozess, weder für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mehr Initiative entwickeln und für ihr Tun Verantwortung übernehmen müssen als auch für Führungskräfte, die Positionen und Befugnisse aufgeben sollen. Reibungsverluste durch gruppendynamische Prozesse können gravierend sein und das Fehlen von Hierarchien ist für manche beängstigend und kann zur Belastung werden. Ob das nun aber Agilität heißt oder Eigenverantwortung – unsere zukünftige Arbeitswelt wird selbständig handelnde, innovativ denkende Menschen mehr denn je brauchen.

Nach einer aufgeladenen Debatte gab die Präsidentin der Volkskammer, Sabine Bergmann-Pohl, um 02:30 Uhr am 23. August 1990 als Abstimmungsergebnis bekannt: „Die Volkskammer erklärt den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes mit der Wirkung vom 3. Oktober 1990.“ Und es begann zusammenzuwachsen, was einmal zusammen gehörte – aber in den Jahren dazwischen war viel passiert. Die Menschen hatten in zwei sehr unterschiedlichen Systemen gelebt und insbesondere die Ostdeutschen hatten nach der ersten Euphorie einen immensen Kulturschock und eine Infragestellung ihres bisherigen Lebens zu verkraften. Es wurden „blühende Landschaften“ versprochen, was nicht immer und überall und schon gar nicht sofort klappte. Aus verschiedenen Blickwinkeln kommt man zu unterschiedlichen Beurteilungen. Daran wollen wir uns hier nicht beteiligen. Aber, was wir ausdrücken wollen: Wir sind dankbar, dass wir in einer Demokratie leben, wo Meinungs-, Presse-, Religions- und Reisefreiheit und die Gewaltenteilung selbstverständlich sind – und hoffentlich auch bleiben. Und es gibt in unserem schönen Land in Ost und West, in Nord und Süd engagierte Menschen, die dafür einstehen. Ein gewichtiger Grund, zusammen zu feiern!

An diesem nächsten Salon-Abend sind Anselm Bilgri und Dr. Nikolaus Birkl im Gespräch mit dem berühmten Fernsehstar.

Der gebürtige Schongauer ist einer der gefragtesten Kabarettisten der deutschen Kleinkunstszene. Schon als Kind glänzte er als Imitator seiner Verwandten und Lehrer. In seiner Paraderolle als Franz Josef Strauß kann er sich über alles und jedes richtig aufregen. Besonders über das derzeitige Führungspersonal der bayrischen und Berliner Politik, aber auch andere Personen des öffentlichen Lebens entgehen nicht seinem satirischen Blick.

Wie steht es da mit seiner Gelassenheit? Ist Kabarett vielleicht eine Möglichkeit, den Ärger des Alltags zu verarbeiten und zu mehr Gelassenheit zu kommen?

Wir freuen uns, wenn Sie mit dabei sind. Um Anmeldung bitten wir unter info@cafe-luitpold.de. Weitere Programminformationen finden Sie unter www.cafe-luitpold.de/salon-luitpold-kultur-unter-palmen.html

Foto: Katharina Ziedek

von Jorge Luis Borges

Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte,
im nächsten Leben würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen.

Ich würde nicht so perfekt sein wollen, ich würde mich mehr entspannen.

Ich wäre ein bisschen verrückter, als ich es gewesen bin, ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen.
Ich würde nicht so gesund leben.
Ich würde mehr riskieren,

würde mehr reisen, Sonnenuntergänge betrachten, mehr Bergsteigen,
mehr in Flüssen schwimmen.

Ich war einer dieser klugen Menschen,
die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten;
freilich hatte ich auch Momente der Freude,
aber wenn ich noch einmal anfangen könnte,
würde ich versuchen, nur mehr gute Augenblicke zu haben.

Falls du es noch nicht weißt,
aus diesen besteht nämlich das Leben; nur aus Augenblicken;
vergiss nicht den jetzigen.

Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich von Frühlingsbeginn an
bis in den Spätherbst hinein barfuß gehen. Und ich würde mehr mit Kindern spielen, wenn ich das Leben noch vor mir hätte.

Aber sehen Sie … ich bin 85 Jahre alt Und weiß, dass ich bald sterben werde.