mit Prof. Dr. Michael von Brück,
evangelischer Theologe, Zen- und Yogalehrer

Derzeit erlebt die Forderung nach „Achtsamkeit“ in allen Lebenslagen einen Hype, fast könnte man meinen der Begriff würde inflationär gebraucht. Historisch betrachtet ist „Achtsamkeit“ vor allem in der buddhistischen Lehre und Meditationspraxis zu finden. Im westlichen Kulturkreis ist das Üben von „Achtsamkeit“ insbesondere durch den Einsatz im Rahmen verschiedener Psychotherapiemethoden bekannt geworden.

Über den Zusammenhang von Achtsamkeit und Gelassenheit und vieles andere wollen wir reden mit Prof. Michael von Brück. Er stammt aus Dresden, ist Jahrgang 1949, studierte von 1968 bis 1983 in Rostock Evangelische Theologie und Indologie, verbrachte einige Zeit in Indien, um indische Philosophie und Religion sowie Buddhismus kennenzulernen. Seit 1985 ist er Zen- und Yogalehrer auf der Basis von Ausbildungen in Indien und Japan. Nach seiner Promotion und Habilitation wurde er zuerst Professor in Regensburg und erhielt 1991 an der LMU in München den Lehrstuhl für Religionswissenschaft. 2014 wurde er emeritiert und lehrt derzeit an der Katholischen Universität Linz. Von Brück ist seit langen Jahren Gesprächspartner des Dalai-Lama. Er verfasste zahlreiche Bücher über den Buddhismus und dessen Verhältnis zum Christentum, die als Standardwerke gelten.

Im Anschluss wie gewohnt lebendige Diskussion mit praktischen Tipps!

Wir freuen uns, wenn Sie mit dabei sind.
Um Anmeldung bitten wir unter veranstaltung@cafe-luitpold.de
Weitere Programminformationen finden Sie unter
www.cafe-luitpold.de/salon-luitpold-kultur-unter-palmen.html

Muße ist ein Muss, betont Anselm Bilgri im Interview „Muße kommt von Müssen“ mit der „Abendzeitung“ von Anfang Mai. Der Begriff Muße hängt sprachgebräuchlich mit dem Wort „müssen“ zusammen und das zeigt deutlich, dass Muße lebensnotwendig ist und nicht etwa „aller Laster Anfang“, wie es seit Benedikt von Nursia heißt. Ganz im Gegenteil!

„Muße“ bedeutet die Zeit „fern von Geschäften“ nach dem römischen Dichter Horaz oder, wie es die österreichische Muße-Forscherin Helga Nowotny definiert, die „Eigenzeit“. Dabei ist vielen Menschen nicht bewusst, wie wichtig „Eigenzeit“ ist. Unser beruflicher Alltag ist durchgetaktet und meist unsere Freizeit auch. Nicht umsonst sprechen wir von Freizeit-„Aktivitäten“. Unsere Lebenszeit rauscht, jedes Jahr schneller, so kommt es uns vor, an uns vorbei. Da sind regelmäßige Auszeiten die beste Burn-out-Prophylaxe. Und wenn es nur eine halbe Stunde täglich ist, in der unsere Gedanken ziellos schweifen dürfen, eine Zeit nur für uns, ohne äußere Ablenkungen. Medizinisch erwiesen ist: Durch gezielte Achtsamkeitsübungen verlangsamt sich der Puls und das Stresshormon Adrenalin reduziert sich. „Durch Achtsamkeit und Muße findet der Mensch insgesamt zu größerer Gelassenheit und stärkt damit sein gesamtes Immunsystem.“ sagt Bilgri und fährt fort: „Wer sich regelmäßige Zeiten für das Innehalten nimmt, der wird alle anderen Aufgaben und Herausforderungen des Lebens besser bewältigen können.“

Den vollständigen Artikel aus der „Abendzeitung“ finden Sie hier.

von Nikolaus Birkl

„Das macht Sinn!“ oder „Das ist unsinnig, sinnlos!“ sind Formulierungen, die wir alltäglich benutzen, ohne über ihren eigentlichen Sinn (!) nachzudenken. Oft setzen wir dabei den Begriff Sinn mit dem Begriff Nutzen gleich, – und dann ist eine nutzlose Zeit auch eine sinnlose Zeit, die mit dieser Bezeichnung noch zusätzlich abgewertet wird.

Eine nähere systemische Betrachtung zu dem Begriff „Sinn“ zeigt, wie sehr wir mit diesen schnellen Zuschreibungen unsere Handlungsmöglichkeiten verkürzen und verkennen:

Unter „Sinn“ werden zunächst unsere Wahrnehmungsmedien Augen, Ohren, Tast-, Geschmacks- und Geruchssinn verstanden, eben die Sinnesorgane. Sie sind in ihren Wahrnehmungsmöglichkeiten begrenzt, sie filtern für uns aus allem, was „wirklich“ ist, die Teile und Erscheinungen heraus, die wir benötigen, um den für unser Leben notwendigen Ausschnitt der Wirklichkeit zu erkennen. Alles andere findet keinen Weg der Wahrnehmung in uns hinein (was nicht heißt, dass es nicht existiert). Am Rande sei bemerkt, dass Teile der buddhistischen Welt auch den Verstand zu den Sinnen zählen, also auch ihm diese Begrenztheit der Fähigkeiten zuschreiben.

Unter dem Begriff „Sinn“ bzw. „Sinn-Frage“ ist aber auch die tiefere Bedeutung eines Geschehens in und zwischen lebenden Systemen zu verstehen. Es ist die Warum-Frage, mit der wir erkennen wollen, ob und welchen Zweck unser eigenes Empfinden und Handeln sowie das von uns in der Umgebung Beobachtete wohl verfolgen. Einen wertvollen Ansatz bietet hierbei die Systemtheorie mit ihrem „sinnfreien Sinnbegriff“, womit letztlich ein wertfreier Sinnbegriff gemeint ist:

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Mitarbeiter und Führungskräfte in Unternehmen klagen zunehmend unter interner Regulierung und einer Zunahme von Zeit, die sie in Meetings verbringen müssen. Das ist nicht nur auf vermehrte gesetzliche Vorschriften zurückzuführen. Auch die Angst vieler, Verantwortung für eventuell entstehende Schäden übernehmen zu müssen, steht dafür Pate. Diesem Verhalten liegt zum einen die Fehlerkultur in Organisationen zugrunde, die immer einen Schuldigen sucht, statt zukunftsorientiert daraus zu lernen, zum anderen ein Mangel an Selbstverantwortung bei den Betroffenen. Die Flut, der in cc gesetzten E-Mails ist nur ein Indiz dafür. Der Mut und die Bereitschaft Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, schwindet. Man will sich nach allen Seiten absichern. Das Sicherheitsbedürfnis in unserer „Risikogesellschaft“, wie sie vom Soziologen Ulrich Beck bezeichnet wurde, ist gewachsen und die Eigenverantwortlichkeit nimmt ab. Für ein gelingendes Zusammenleben unserer demokratischen Welt sind selbstverantwortliche Bürger unerlässlich. Wie können wir die Selbstverantwortung als eine Bürgertugend für unsere Zeit stärken?

Gedanken zur Kritik an der Achtsamkeitswelle

Achtsamkeit ist in aller Munde und mittlerweile ein wenig überstrapaziert, wie das mit Zeitgeistphänomenen so ist. Irgendwann poppt ein Begriff auf, alle reden davon – jeder versteht etwas anderes darunter – und irgendwann ist es vorbei und der nächste Hype rückt schlagartig an.

Seit einigen Jahren jedenfalls passt „Achtsamkeit“ offenbar zum Zeitgeist und ist rundum Thema, im alltäglichen Leben, in der Wirtschaft, in der Wissenschaft. Auch bei uns. Denn, wo Burn-out und psychische Erkrankungen immer häufiger diagnostiziert werden, der Arbeitsdruck steigt, die digitale Informationsflut wächst und ständiges Multitasking gefragt sind wie nie, hilft gutes geistiges Selbstmanagement bei der Stressbewältigung. Achtsamkeit als Meditationsübung kann helfen, die Ruhe zu bewahren, Emotionen zu regulieren, zu lernen, mit negativen Gefühlen umzugehen, den Alltag zu meistern und das Leben zu bejahen.

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