Ende Mai hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Graduationsfeier der Harvard University in Cambridge/USA eine vielbeachtete, beeindruckende Rede gehalten. Sie greift vieles auf, wofür auch die Akademie der Muße steht. Angela Merkel ist glücklich über das vereinte Europa. Sie spricht davon, dass Offenheit auch immer Risiko bedeutet, dass auch das, was unveränderlich scheint, sich ändern kann und ändern lässt. Davon, wie wichtig Wahrhaftigkeit ist im Umgang mit uns selbst und mit anderen und vom Loslassen des Alten und vom Neuanfang. Für ihre sachliche Art überraschenderweise sagt sie auch diesen Satz: „Es gibt keinen Anfang ohne ein Ende, keinen Tag ohne die Nacht, kein Leben ohne den Tod.“ Aufgehorcht haben wir bei dem Absatz, wo sie klarstellt, dass man schwierige Fragen am ehesten lösen kann, indem man sich in den anderen hineinversetzt und „fest zu unseren unveräußerlichen Werten“ steht. Und ganz spannend wurde es hier: „ …wenn wir bei allem Entscheidungsdruck nicht immer unseren ersten Impulsen folgen, sondern zwischendurch einen Moment innehalten, schweigen, nachdenken, Pause machen.“

Ganz genau, meinen wir: Innehalten, Pause einlegen! Nicht jedem Impuls sofort folgen oder jeden Tweet raushauen, wie manche, sogar Staatenlenker, es gerne tun. Innehalten und Raum geben für Neues, Anderes. Alternativen gibt es (fast) immer.

Rede von Bundeskanzlerin Merkel bei der 368. Graduationsfeier der Harvard University am 30. Mai 2019 in Cambridge/USA

Umfragen zeigen, dass immer weniger Menschen wissen, was Pfingsten bedeutet. Christen freuen sich, außer auf ein langes Wochenende, auf mehr: auf ein Freudenfest. Bis dahin war Jesus aktiv für die Menschen und zu Pfingsten, der Geburt der Kirche, dürfen die Menschen selber loslegen, indem ihnen Gott seinen Geist schenkt. Das Wort „Pfingsten“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „fünfzigster Tag“, denn Pfingsten wird 50 Tage nach Ostern und 10 Tage nach Christi Himmelfahrt gefeiert. Es ist das Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel und Maria, der ihnen den Mut gibt, hinauszuziehen und die frohe Botschaft zu verkünden, der die Menschen selber befähigt, im Geiste, im Sinne Jesus‘ und Gottes zu leben und zu handeln. Es hat Tradition, dass der Geist von einem Vogel, meist einer Taube, symbolisiert wird. Nicht umsonst steht die Friedenstaube für die Friedensbewegung. Aber „Geist“ bedeutet im Hebräischen eigentlich „Wind“ und in der biblischen Pfingstgeschichte braust es, salopp gesagt, ganz ordentlich. Mit einem gewaltigen Windsturm landen Feuerzungen auf den Köpfen der Jünger. Plötzlich können sie sich verständlich machen und sie predigen sogar in fremden Sprachen, die sie nicht beherrschen, so dass auch die umstehenden Perser, Meder, Römer und Ägypter sie verstehen. Die Gegengeschichte zur babylonischen Sprachverwirrung. Der feurige Geist Gottes schafft Einheit und Verständigung. Ein Denkanstoß, auch für Nichtchristen – und ein Grund zur Freude, finden wir.

Foto: © Ferdinand Feng

Die EU ist beileibe nicht perfekt – aber wir meinen, sie ist das Beste, was uns nach dem Zweiten Weltkrieg passieren konnte. Wir leben seit über 70 Jahren in Frieden mit unseren Nachbarn. Für die jungen Generationen sind offene Grenzen und Reisefreiheit eine Selbstverständlichkeit, genauso wie Freundschaften quer durch Europa, die durch Neue Medien und den Wegfall der Roaming-Gebühren, eine Errungenschaft der EU, noch besser gepflegt werden können. Jetzt haben die Länder der Europäischen Union wieder ihr EU-Parlament gewählt – überlebenswichtige Aufgaben stehen an, für die EU, für Europa insgesamt, für den Planeten. Über einige Wahlergebnisse haben wir uns sehr gefreut, über andere weniger. Gewonnen hat aber auch die Demokratie, denn die Wahlbeteiligung war die höchste seit langem bei einer Europawahl – allerdings mit viel Luft nach oben. Die Länder der Europäischen Union bieten Heimat für Menschen unterschiedlicher Kulturen und Glaubensrichtungen. Dabei existieren auch innerhalb der – teils willkürlich gezogenen, bereits oft verschobenen – Staatsgrenzen die verschiedensten Traditionen größtenteils friedlich nebeneinander. Dafür stehen wir auch mit der Akademie der Muße. Aus unseren Statuten: „Die Akademie der Muße hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Traditionen verschiedener Kulturen und Religionen für die Lebensgestaltung in unserer heutigen Zeit fruchtbar zu machen. Sie steht allen offen, gleich welchen Alters, Geschlechts, welcher Nationalität und Konfession.“

„Ich male, um von einer Schönheit zu erzählen, die uns immer mehr abhandenkommt.“ hat der bekannte deutsche Maler, Illustrator und Autor Quint Buchholz einmal in einem Interview gesagt. Jetzt ist soeben ein Buch von ihm erschienen, das nicht nur die Schönheit an sich feiert, sondern gleichzeitig eine leise, dringliche Botschaft vermittelt. Eine Botschaft ganz nach unserem Motto, die es zu hören lohnt, wie wir finden: In seinem Buch „Vom Glück der Langsamkeit“ plädiert Quint Buchholz mit seinen Illustrationen – dazu kurze Texte weltberühmter Autoren –  für einen aufmerksamen und gleichzeitig gelassenen Umgang mit der Ressource Zeit. Ein Hoch auf die unverplante Zeit, die Zeit der Langsamkeit, des Müßiggangs, der Stille! „Die Welt, so scheint es, dreht sich immer schneller – es wird gehastet, beschleunigt, vernetzt, umgestaltet, pausenlos getan. Doch gut tut das nicht, denn wo bleiben dabei die Möglichkeiten, einmal innezuhalten, ruhig zu werden? Und einfach nur Mensch zu sein, das Glück des Staunens zu erleben.“ steht in der Ankündigung zum Buch.
Ganz genau!

mit Prof. Dr. Michael von Brück,
evangelischer Theologe, Zen- und Yogalehrer

Derzeit erlebt die Forderung nach „Achtsamkeit“ in allen Lebenslagen einen Hype, fast könnte man meinen der Begriff würde inflationär gebraucht. Historisch betrachtet ist „Achtsamkeit“ vor allem in der buddhistischen Lehre und Meditationspraxis zu finden. Im westlichen Kulturkreis ist das Üben von „Achtsamkeit“ insbesondere durch den Einsatz im Rahmen verschiedener Psychotherapiemethoden bekannt geworden.

Über den Zusammenhang von Achtsamkeit und Gelassenheit und vieles andere wollen wir reden mit Prof. Michael von Brück. Er stammt aus Dresden, ist Jahrgang 1949, studierte von 1968 bis 1983 in Rostock Evangelische Theologie und Indologie, verbrachte einige Zeit in Indien, um indische Philosophie und Religion sowie Buddhismus kennenzulernen. Seit 1985 ist er Zen- und Yogalehrer auf der Basis von Ausbildungen in Indien und Japan. Nach seiner Promotion und Habilitation wurde er zuerst Professor in Regensburg und erhielt 1991 an der LMU in München den Lehrstuhl für Religionswissenschaft. 2014 wurde er emeritiert und lehrt derzeit an der Katholischen Universität Linz. Von Brück ist seit langen Jahren Gesprächspartner des Dalai-Lama. Er verfasste zahlreiche Bücher über den Buddhismus und dessen Verhältnis zum Christentum, die als Standardwerke gelten.

Im Anschluss wie gewohnt lebendige Diskussion mit praktischen Tipps!

Wir freuen uns, wenn Sie mit dabei sind.
Um Anmeldung bitten wir unter veranstaltung@cafe-luitpold.de
Weitere Programminformationen finden Sie unter
www.cafe-luitpold.de/salon-luitpold-kultur-unter-palmen.html