Langweilige Ängste

Kürzlich war in einem Interview mit dem britisch-schweizerischer Philosoph und Schriftsteller Alain de Botton ein beachtenswerter Satz zu lesen: „Wir müssen den Zustand erreichen, in dem uns unsere Ängste einfach nur noch langweilen.“ Ein Satz, der trefflich Stoff zum Nachdenken bietet. Eine herrliche Vorstellung, „Ängste, die langweilen“. Geht das überhaupt? Gibt es langweilige Ängste, oder sind die Ängste nicht in dem Moment nicht mehr existent, wenn sie beginnen, uns nur noch zu langweilen?

Im Gegensatz zu Muße oder Müßiggang wird Langeweile als unangenehm und unlustvoll empfunden. Langeweile ist auch Gegenstand philosophischer Betrachtung, und Martin Heidegger hat z. B. Langeweile in etwa definiert als „einem schweigenden Nebel vergleichbar, der alle Dinge in eine merkwürdige Gleichgültigkeit zusammenrücke“. Das ist interessant, denn, was uns gleichgültig ist, macht uns keine Angst. Andererseits hat Angst in wirklich gefährlichen Situationen auch eine Schutzfunktion und bewahrt uns davor, unnötig unsere Gesundheit und unser Leben aufs Spiel zu setzen. Aber in den Situationen, in denen es mehr um irrationale Ängste geht oder eine Portion Besorgnis auch ausreichend wäre, da ist es doch eine wunderbare Vorstellung, die uns schmunzeln lässt, dass es uns gelingen könnte, dass uns unsere (übertriebenen) Ängste einfach nur noch langweilen.

In den vergangenen Wochen waren wir uns alle entweder sehr nah oder sehr fern. Mit Kindern und Partnerinnen und Partnern in einer Wohnung, in einem Haus. Freundinnen und Freunde, liebe Verwandte unerreichbar. Das bot Konfliktstoff und gleichzeitig die Chance auf eine neue Nähe. Es gibt friedlich schlafende Säuglinge. Es gibt Achtjährige, die das optimal gestaltete Homeschooling alleine wissbegierig bewältigen, und es gibt auch Jugendliche, die ihr Zimmer aufräumen und Interessen haben, die einige Stunden ohne Computer und Smartphone zu machen sind. Es gibt Partnerinnen und Partner, die sich hilfsbereit ins Familienleben einbringen und ein Pol der Ruhe und des Ausgleichs sind. Es gibt diese Menschen, aber nicht überall. Es gab Nachbarschaftshilfe und Denunziantentum, Gutes und Schlechtes kam zutage – manchmal überraschend. In manchen Familien hat man vielleicht mal wieder gemeinsam gekocht und gegessen und ausführlich miteinander gesprochen, so dass schwelende Konflikte geklärt werden konnten und alte Themen aufgedeckt. So traten auch alte Konflikte über die Landesgrenzen hinweg wieder zutage. Ressentiments in den Grenzgebieten zwischen Deutschen und Franzosen, zwischen Österreichern und Italienern, zwischen Polen und Deutschen. Und gleichzeitig haben die Grenzbewohnerinnen und –bewohner in den letzten Tagen auch euphorisch gefeiert als die Schlagbäume wieder hochgingen. Die heutige Jugend kennt keine europäischen Grenzen. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind freies Reisen gewohnt. Reisen und kultureller Austausch schaffen Verständnis für den jeweils anderen. Hoffen wir, dass menschliche Nähe da erhalten bleibt, wo sie neu wachsen konnte, dass sie sich dort wieder einstellt, wo sie verloren gegangen ist und dass sie für die Völker Europas eine Selbstverständlichkeit bleibt, wie es die junge Generation seit ihrer Geburt gewohnt ist.

Wir möchten auch in den Corona-Zeiten gerne unsere regelmäßigen Symposien aufrecht erhalten, allerdings ist dies derzeit in der Tiroler Stube des Conti-Restaurants nicht möglich. So haben wir uns entschlossen, erstmals den Versuch eines digitalen Symposions zu wagen. Sehr bewusst haben wir uns dabei für das Thema „Zuversicht“ entschieden, denn auch für uns ist diese Form ein Abenteuer.

Das digitale Symposion findet statt am Montag, den 25.05.2020, Beginn: 19.30 Uhr, Moderation: Anselm Bilgri, Thema: „Zuversicht“, Preis: 25 € (inkl. MwSt.)

„Zuversicht ist kein rosaroter Optimismus, sondern eine illusionslose Haltung, aufgrund derer man sich trotz aller Probleme nicht entmutigen lässt. Ursprünglich beschrieb das Wort nur das „Voraussehen auf die Zukunft“, egal ob diese nun gut oder schlecht erschien. Erst im Laufe der Zeit wurde der Begriff aufgeladen mit der Erwartung dessen, was man sich wünscht. Bis heute schwingt in der Zuversicht ein Mollklang mit, der gutgelaunten Optimisten völlig fremd ist.“

Wenn Sie teilnehmen wollen, melden Sie sich bitte zuvor unter info@akademie-der-musse.de an. Sie erhalten dann eine Anmeldebestätigung und rechtzeitig vor dem Symposion ein eMail mit dem „Zoom-Einwahl-Link“, den Sie nur anklicken und den Bildschirmanweisungen folgen brauchen.

Wir freuen auf einen regen Gedankenaustausch. Weitere Informationen finden Sie unter www.akademie-der-musse.de/angebot/symposien

Disruption bedeutet Revolution statt Evolution. Martialisch klingt auch bereits das Wort als solches. 2015 galt „Disruption“ als „Wirtschaftswort des Jahres“, begleitet unsere Wirtschaft und Industrie aber schon länger. Disruptive Innovationen haben bestehende Märkte grundlegend verändert und eingefahrene Strukturen zerschlagen. Sie bedeuten eben kein „Weiter so, nur ein bisschen anders“ nach dem Motto „Mehr hilft mehr“, sondern komplett neue Formen. Digitalisierung und KI und deren ständige Weiterentwicklung bewirken drastische Umbrüche, die sich dabei deutlich schneller abspielen als das bei früheren disruptiven Innovationen der Fall war. Der nächste große Schritt steht mit der Spracheingabe bereits an.

Unternehmen heute müssen verstehen, dass die vernetzte Welt neuen Gesetzmäßigkeiten folgt und sich entsprechend aufstellen. Und zwar schnell. Es gilt, den Wandel selber zu gestalten, um ihm nicht zum Opfer zu fallen. Organisationen brauchen eine Kultur der Offenheit für Veränderungen. „Veränderung ist der Normalzustand“, so Dr. Nikolaus Birkl in seinen Vorträgen zu den Grundprinzipien systemischen Denkens und Handelns. Oder nach Fritz B. Simon (Psychiater, führender Vertreter der Heidelberger Schule, systemischer Berater mit Forschungs- und Lehrschwerpunkt zur Organisationsberatung) wie auch auf www.birkl-coaching.de zu lesen ist: „Wer derselbe bleiben will, muss sich verändern! Dieses Paradox der Identität gilt auch für Organisationen.“

Bis vor Kurzem galten 37 Grad Celsius als die Standardtemperatur des Menschen. Diesen Mittelwert hatte der deutsche Arzt Carl Reinhold August Wunderlich 1851 herausgefunden. Jetzt haben Ärzte aus Standford ermittelt, dass die durchschnittliche Körpertemperatur auf 36,5 Grad gesunken ist. Woran liegt das? Daran, dass wir wohlgenährter und größer sind als früher und in Folge einen langsameren Stoffwechsel haben? Oder hat BDI-Präsident Dieter Kempf recht, wenn er behauptet, dass Deutschland ein „Schnarchland“ geworden sei und wir es uns zu bequem gemacht haben. Im Schlaf sinkt die Körpertemperatur ja bekanntermaßen.

Interessanterweise finden sowohl der BDI als auch der Deutsche Gewerkschaftsbund, dass dringend in Infrastruktur, Bildung, Verkehr und Klimaschutz investiert werden müsse. Das dürfte auch jedem auffallen, der die Klimadebatte verfolgt oder der Kinder hat. Es fehlen Erzieher und Lehrer, der Zustand der Einrichtungen ist oft marode. Und bei der Infrastruktur hapert es genauso: Brücken sind einsturzgefährdet, innovative Verkehrsprojekte schlummern vor sich hin. Und wer öfter Münchner S- und U-Bahnen oder die Deutsche Bahn nutzt, kann mitunter zum Hitzkopf mutieren, es sei denn, die Heizungen fallen aus. Da fällt es oft schwer den kühlen Kopf zu bewahren und mit angesagt heiterer Gelassenheit alle Schwankungen wegzustecken.