„Muße und Faulheit dehnen die Zeit und schaffen dadurch erst den Raum, in dem ein Stück Freiheit für uns erfahrbar wird.“ – interessantes Zitat der algerisch-britisch-deutschen Philosophin Nassima Sahraoui aus Frankfurt am Main. In der Tradition der Antike betrachtet sie die „Faulheit lieber als Muße“ – und da sind wir sogleich bei unserem ureigenen Thema und beim Wu Wei-Prinzip „Handeln durch Nichtstun“, die Aktivität in der Passivität als Voraussetzung für Kontemplation, für die Sammlung der eigenen Kräfte und der Schaffung von Freiräumen, zumindest im Kopf. Sahraoui geht noch weiter und sieht dieses Prinzip auch als Lebenspraxis, sich aus der rasanten ökonomischen Taktung ein Stück weit zu befreien. Aber das ist nochmal ein anderes Thema. Mehr von Dr. Nassima Sahraoui hier.

Während in einigen Bundesländern die großen Ferien bald schon vorüber sind, fangen sie in Bayern und Baden-Württemberg gerade erst an. Aber, ob Schulferien oder nicht, in den Sommermonaten, insbesondere an den heißen Tagen dieses Jahres, scheint die Zeit ein klein wenig langsamer zu vergehen. Der Sommer lädt ein, die Natur, die langen Abende und oft lauen Nächte zu genießen, einfach zu schauen, zu staunen, zu leben. Als Kind erschienen die großen Ferien ewig lang – ein Gefühl für die (Sommer)Zeit, das wiederzuentdecken und nochmal zu spüren einen Versuch wert wäre.

Durch Wiederholung prägt sich Lernstoff ein, das wussten wir. Interessant ist, dass wiederholten Begriffen und Inhalten auch ein höherer Wahrheitsgehalt zugesprochen wird. Und das unabhängig von dem Bildungsgrad, Wissensstand, kognitivem Vermögen oder von der zugrundeliegenden, z. B. politischen Einstellung eines Menschen. So hat uns der Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 2. Juli einigermaßen erschüttert und betroffen zurückgelassen. Bedeutet das doch, dass die Verbreitung von Fake News, die ständig wiederholt werden und die in manchen Communities wie in einer Blase – ohne weitere Informationsquellen – grassieren, noch gefährlicher für unsere Demokratie ist als, zumindest wir, dachten. Auch neueste Studien sind zu dem Ergebnis gekommen, dass generell Vertrautem, bereits Gehörtem oder Gelesenem, eher Glauben geschenkt wird. Von Psychologen wird dieses Phänomen Illusory Truth Effect gleich Wahrheitsillusion genannt. Vielleicht hilft es ein wenig, sich dieses Effekts bewusst zu sein.

Hier der Link zum Artikel:
https://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologie-in-den-kopf-gehaemmert-1.4507778

Es ist unzweifelhaft Sommer und für Juni ganz schön heiß. Das ist einerseits schön, da es Sommerfeeling mit Badevergnügen und Abenden im Freien verheißt. (Ob wir wohl auch eine führende Wirtschaftsnation wären, wenn wir öfter länger solche Temperaturen hätten? Nur so ein Gedanke.) Andererseits bedeutet eine Hitzewelle wie diese Waldbrandgefahr, extreme Bedingungen für die Landwirtschaft, mancherorts Wasserknappheit – und es erfordert Innehalten, Umdenken! Wissenschaftler gehen davon aus, dass es in Zukunft solche Wetterlagen verstärkt geben wird. Dabei ist es für die momentane Situation nicht relevant, ob der Klimawandel menschengemacht ist, wovon wir ausgehen, oder ob sich das Klima auch ohne unser Zutun in diese Richtung entwickelt hätte. Denn eines steht fest: Die momentane Erderwärmung hat ein Tempo drauf, wie es bis jetzt in der Erdgeschichte wohl nicht vorkam. Und wenn wir so weitermachen wie bisher, verstärken wir den Treibhauseffekt rasant. Es gibt vieles, was jeder Einzelne tun kann, weniger Fleisch essen, Heizung runterdrehen, auf Flüge verzichten und auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen (, so sie denn zuverlässig fahren …). Aber wirklich vonnöten ist „ein großer Schritt für die Menschheit“: Energieversorgung, Verkehrskonzepte, Welternährung völlig neu denken.

https://www.greenpeace.de/themen/klimawandel/klimaschutz/die-zehn-wichtigsten-tipps-was-sie-fuer-das-klima-tun-koennen


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Ende Mai hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Graduationsfeier der Harvard University in Cambridge/USA eine vielbeachtete, beeindruckende Rede gehalten. Sie greift vieles auf, wofür auch die Akademie der Muße steht. Angela Merkel ist glücklich über das vereinte Europa. Sie spricht davon, dass Offenheit auch immer Risiko bedeutet, dass auch das, was unveränderlich scheint, sich ändern kann und ändern lässt. Davon, wie wichtig Wahrhaftigkeit ist im Umgang mit uns selbst und mit anderen und vom Loslassen des Alten und vom Neuanfang. Für ihre sachliche Art überraschenderweise sagt sie auch diesen Satz: „Es gibt keinen Anfang ohne ein Ende, keinen Tag ohne die Nacht, kein Leben ohne den Tod.“ Aufgehorcht haben wir bei dem Absatz, wo sie klarstellt, dass man schwierige Fragen am ehesten lösen kann, indem man sich in den anderen hineinversetzt und „fest zu unseren unveräußerlichen Werten“ steht. Und ganz spannend wurde es hier: „ …wenn wir bei allem Entscheidungsdruck nicht immer unseren ersten Impulsen folgen, sondern zwischendurch einen Moment innehalten, schweigen, nachdenken, Pause machen.“

Ganz genau, meinen wir: Innehalten, Pause einlegen! Nicht jedem Impuls sofort folgen oder jeden Tweet raushauen, wie manche, sogar Staatenlenker, es gerne tun. Innehalten und Raum geben für Neues, Anderes. Alternativen gibt es (fast) immer.

Rede von Bundeskanzlerin Merkel bei der 368. Graduationsfeier der Harvard University am 30. Mai 2019 in Cambridge/USA

Umfragen zeigen, dass immer weniger Menschen wissen, was Pfingsten bedeutet. Christen freuen sich, außer auf ein langes Wochenende, auf mehr: auf ein Freudenfest. Bis dahin war Jesus aktiv für die Menschen und zu Pfingsten, der Geburt der Kirche, dürfen die Menschen selber loslegen, indem ihnen Gott seinen Geist schenkt. Das Wort „Pfingsten“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „fünfzigster Tag“, denn Pfingsten wird 50 Tage nach Ostern und 10 Tage nach Christi Himmelfahrt gefeiert. Es ist das Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel und Maria, der ihnen den Mut gibt, hinauszuziehen und die frohe Botschaft zu verkünden, der die Menschen selber befähigt, im Geiste, im Sinne Jesus‘ und Gottes zu leben und zu handeln. Es hat Tradition, dass der Geist von einem Vogel, meist einer Taube, symbolisiert wird. Nicht umsonst steht die Friedenstaube für die Friedensbewegung. Aber „Geist“ bedeutet im Hebräischen eigentlich „Wind“ und in der biblischen Pfingstgeschichte braust es, salopp gesagt, ganz ordentlich. Mit einem gewaltigen Windsturm landen Feuerzungen auf den Köpfen der Jünger. Plötzlich können sie sich verständlich machen und sie predigen sogar in fremden Sprachen, die sie nicht beherrschen, so dass auch die umstehenden Perser, Meder, Römer und Ägypter sie verstehen. Die Gegengeschichte zur babylonischen Sprachverwirrung. Der feurige Geist Gottes schafft Einheit und Verständigung. Ein Denkanstoß, auch für Nichtchristen – und ein Grund zur Freude, finden wir.

Foto: © Ferdinand Feng