Diskurs für eine gelassene Lebensführung im Café Luitpold
(anschließende Diskussion ausdrücklich erwünscht)

Beim nächsten Mal am 26.07.2016, Beginn: 20 Uhr, sind innerhalb dieser Reihe von Veranstaltungen zu diesem Thema die Akademie der Muße, Anselm Bilgri und Dr. Nikolaus Birkl, im Gespräch mit Helmut Lind, dem Vorstandsvorsitzenden der Sparda-Bank München eG.

Banken gelten heute häufig als profitgierig, wenig kundenfreundlich, nicht mehr aufs Gemeinwohl ausgerichtet. Einst renommierte Institute leiden unter erheblichen Reputations- bzw. Glaubwürdigkeitsdefiziten. Die Branche baut massiv Stellen ab, Mitarbeiter fühlen sich unter Druck. Da lässt Helmut Lind aufhorchen: Seit dem Jahr 2011 veröffentlicht die größte bayerische Genossenschaftsbank regelmäßig eine Gemeinwohlbilanz und berichtet darin unter anderem, ob das Geldhaus mit seinen Geschäften die Umwelt schädigt, wie groß die Gehaltsunterschiede zwischen Vorstand und einfachen Angestellten sind und ob sich die Mitarbeiter in der Bank wohlfühlen.

Helmut Lind hat sich selbst in den letzten Jahren vom rastlosen und kühlen Profitmaximierer zum mitfühlenden und achtsamen Vorgesetzten gewandelt. Mitarbeiter können selbst bewerten, welche Aufgaben ihnen Freude machen und welche Last bedeuten. Das Unternehmen versucht dann, sie entsprechend zu verteilen.

Kann man auf diese Weise mit einer Bank Erfolg haben? Oder ist genau diese Unternehmenskultur Voraussetzung für nachhaltiges Wirtschaften? Das versuchen die beiden Gründer der Akademie der Muße, Anselm Bilgri und Dr. Nikolaus Birkl, im Gespräch mit Helmut Lind herauszufinden. Sie wissen aus ihren Führungskräfte-Seminaren, wie viele Menschen sich in unserer Gesellschaft unter ständigem Zeit- und Erfolgsdruck fühlen. Wie oft Unruhe, Stress und Burnout die Folge falscher Führung ist. Und wie Achtsamkeit die Kultur in Organisationen ändern kann.

Weitere Informationen bald unter www.cafe-luitpold.de/salon-luitpold-kultur-unter-palmen .Um Anmeldungen bitten wir direkt unter info@cafe-luitpold.de

Interview mit dem Mediziner Dr. med. Jochen von Wahlert über ausgebrannte Manager und den Sinn von Muße

Dr. med. Jochen von Wahlert ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Er betrieb in München eine private Praxis für Psychotherapeutische Medizin und war lange Jahre ärztlicher Direktor der bekannten Psychosomatischen Klinik Bad Grönenbach. Im April dieses Jahres eröffnete er die neue Psychosomatische Privatklinik am Schloßberg in Bad Grönenbach. Sie richtet sich vor allem an Top-Manager aus Unternehmen und internationalen Organisationen. Am 10. Mai diskutieren Anselm Bilgri und Dr. Nikolaus Birkl mit Dr. von Wahlert im Münchner Café Luitpold im Rahmen der neuen Veranstaltungsreihe „Diskurse für eine gelassene Lebensführung.“


Herr Dr. von Wahlert, wie finden Sie als Mediziner den Begriff Burnout?

Eigentlich gar nicht schlecht. Burnout ist natürlich kein Fachbegriff, keine medizinische Diagnose, aber er hat die Gesellschaft in den letzten Jahren für das Thema psychische Erkrankung sensibilisiert. Gerade weil er nicht nach Depression klingt, nach Angststörung, Zwangsverhalten, Sucht, Ess-Störungen – was sich ja alles dahinter verbergen kann. Auch das breite Spektrum der somatoformen Störungen im Zusammenhang mit Stress und Überlastung in der Arbeitswelt hat eine enorme Verbreitung: Wir gehen davon aus, dass in den Wartezimmern der Allgemeinärzte jeder Dritte mit körperlichen Beschwerden auf Grund einer psychischen Erkrankung kommt. Somatoforme Störungen wurden bisher vollkommen unterschätzt und selten rechtzeitig erkannt und behandelt. Unter dem Begriff „Burnout“ trauen sich Patienten überhaupt, Hilfe anzunehmen und zu uns zu kommen, manche sogar bevor sie psychisch völlig zusammenbrechen.

Wie entsteht diese Überlastung?

Vereinfacht gesagt durch chronische Überforderung, Dauerstress. Wenn Menschen immer in Hetze sind und unter Druck stehen, dann hat das für den Körper eine Reihe negativer Auswirkungen: der Organismus bleibt im Daueranspannungsmodus und kann sich nicht mehr ordentlich regenerieren, der hohe Cortisol-Spiegel wirkt negativ u. a. auf das Immunsystem, das Nervensystem ist überreizt und auf der zellulären Ebene können Reparaturmechanismen nicht mehr richtig arbeiten. Auch die Funktion der Organe ist oft gestört. Gerade Magen-Darm-Probleme kommen häufig vor und sind ein Riesenthema in diesem Zusammenhang. Viele Patienten haben körperliche Störungen, und nur wenige bringen sie zunächst in Zusammenhang mit ihrer Überlastung.

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Faul sein dürfen

Prof. Hartmut Rosa hat in seinem Buch „Beschleunigung“ geschrieben, er glaube, dass die Entschleunigung zu der Gegenideologie des 21. Jahrhunderts werde. Die Zeichen dafür mehren sich. Immer mehr Medien nehmen sich des Themas an. Oft geht man sogar soweit und fordert Mut zum Faul sein. Und es stimmt: Wir trauen uns nicht mehr zuzugeben, nicht einmal uns selbst gegenüber, dass wir gerne mal einfach nichts planen, tun, unternehmen wollen, auch keine Freizeitaktivitäten. Einfach nur rumhängen. Aufkommende Langeweile bewusst verspüren und lernen, sie zu genießen. Sie ist nichts anderes als eine lange Weile, in der nichts geschehen muss. Man braucht ja nicht gleich so weit zu gehen wie das Magazin Brandeins und die Leser auffordern: „Macht blau!“ Es genügt schon, “nur” die Pausen- und Freizeiten mit Nichtstun zu verbringen. Es ist ein Paradox unserer Leistungsgesellschaft: je angestrengter wir tun, machen, bosseln, desto weniger effektiv und produktiv sind wir am Ende des Tages. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Faul-sein über die Ostertage – man kann das auch Muße nennen.

Mit den besten Grüßen
Ihr
Anselm Bilgri

Diskurs für eine gelassene Lebensführung im Café Luitpold
(anschließende Diskussion ausdrücklich erwünscht)

Die erste Spielzeit des Kulturprogramms im Café Luitpold in 2016 dreht sich um das hochaktuelle Thema “Identität in Zeiten des Umbruchs”.

Innerhalb einer Reihe von Veranstaltungen zu diesem Thema geben am 10.05.2016, Beginn: 20 Uhr, die Akademie der Muße, Anselm Bilgri und Dr. Nikolaus Birkl, im Gespräch mit Dr. med. Jochen von Wahlert Antworten und Anregungen für eine gelassene Lebensführung:

Glück, Gesundheit und Gelassenheit sind untrennbar miteinander verbunden. Viele Menschen in unserer aktuellen Gesellschaft fühlen sich unter ständigem Zeit- und Erfolgsdruck. Unruhe und Stress sind die Folge. Die zunehmende Zahl psychogener Belastungserkrankungen, wie Depression oder “Burn-out”, führen zu individuell massiv gefühltem Un-Glück. Für ein glückliches Leben ist Gelassenheit eine der Grundvoraussetzungen. Sie hilft Unveränderbares zu akzeptieren.

Der Zustand der Gelassenheit ist keine Gleichgültigkeit, sondern eine emotionale Haltung, die man mit “Loslassen” bezeichnen kann. Sie lebt aus der inneren Einsicht, dass das Leben ein ununterbrochener Fluss der Veränderung ist. Ein Leben, das Geduld kennt, in dem das Haben und das Mehr-haben-Wollen hinter das Sein und das Bei-sich-Sein zurücktritt.

Gelassene Menschen sind achtsame Menschen und achtsame Menschen sind zumeist seelisch gesunde Menschen. Doch warum tun wir uns so schwer mit dieser Gelassenheit? Wie können wir Gelassenheit erlernen, wie gelassener werden?

Weitere Informationen und Anmeldungen unter www.cafe-luitpold.de/salon-luitpold-kultur-unter-palmen oder unter info@cafe-luitpold.de

 

von Anselm Bilgri

Muße ist für viele Menschen generell eine sehr schwierige Übung. Das erfahren wir immer wieder in den Tagen des Innehaltens und den Seminaren, die wir mit der Akademie der Muße in Unternehmen geben. Viele halten es für nahezu unmöglich, aus ihrem Leistungs-Modus umzuschalten in ein Nichtstun. Dabei ist genau diese Balance aus An- und Entspannung Voraussetzung für ein gelingendes Leben und dem Menschen so auch immanent. Nichtstun heißt ja nicht, dass da nichts geschieht, im Gegenteil!

Nicht ohne Grund hat der Heilige Benedikt in seiner berühmten Mönchregel den Zweiklang von Ora und Labora aufgestellt. Ora – beten – meint bei ihm das sich Abwenden vom Tun des Alltags und Hinwenden auf Gott. Das kann man auch ohne religiösen Aspekt begreifen als ein In-Sich-Hineinhören, was da ist in einem außer Aktivität. Deshalb schulen wir Führungskräfte und Teams in dieser Achtsamkeit. Sie erweitert den Blickwinkel auf ein Geschehen und macht die Führungskraft präsenter für sich selbst und ihre Umgebung.

Die Wochen vor Weihnachten sind in vielen Firmen natürlich besonders angefüllt: Projekte sollen abgeschlossen, Umsätze realisiert, Rechnungen gestellt werden. Da ist es schon ein bisschen absurd, wenn wir uns in dieser Zeit auch noch Weihnachtsfeiern aufhalsen und zwanghaft einen Gang zurückschalten wollen. Damit erzeugt man unnötigen Stress für alle Beteiligten. Als Leiter der Klosterbetriebe von Andechs habe ich unsere Weihnachtsfeiern immer in den Januar gelegt. Das ist sehr gut angekommen.

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